#Pressemitteilung: Schluss mit der Ausbeutung der Psychotherapeuten in Ausbildung

Pressemitteilungen zur Streikwoche vom 05.- 09.Dezember in Berlin (Pressemitteilung I & Pressemitteilung II) und den Protesten in Hessen und Köln (Klicken um PDF-Dokumente herunterzuladen)

Streikwoche vom 05.- 09.Dezember in Berlin, Wiesbaden, Mannheim und Köln, mit täglichen Versammlungen,  Demonstrationszügen und Aktionen, unterstützt von VPP und DPtV. Es erklären sich solidarisch die ver.di  Bundesfachkommission PP/KJP und die ver.di PIA-AG.

An Kliniken im ganzen Bundesgebiet legen PsychotherapeutInnen in Ausbildung (PiA) in der kommenden Woche ihre Arbeit nieder, um auf ihre prekäre Ausbildungssituation aufmerksam zu machen. Denn wir lernen und arbeiten unter so schlechten Bedingungen, wie sie bei keinem zweiten Beruf zu finden sind. Nach 12 Jahren Psychotherapeutengesetz ist der Punkt erreicht, die Räder stillstehen zu lassen. Wir fordern wirkliche Veränderung.

Das Psychotherapeutengesetz lässt das Thema „Finanzierung der Ausbildung“ schlicht und einfach aus. Dies hat zur Folge, dass wir, der Nachwuchs, neben unseren Kursen auch die sehr umfangreiche praktische Tätigkeit in den psychiatrischen Kliniken aus unserem eigenen Portmonaie bezahlen. Nocheinmal im Detail: die Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten erfolgt postgradual an privaten Instituten. Dabei entstehen Kosten von 22000-50000 Euro. Die Ausbildung beeinhaltet neben
einem theoretischen Teil auch 1800h praktische Tätigkeit, die an psychiatrischen Kliniken absolviert werden muss. Diese wird schlecht, bzw. in Ballungsgebieten, wie Berlin, gar nicht vergütet. Gängige Unterstützungstöpfe wie Bafög und BAB wurden gesetzlich ausgeschlossen. Am Ende der Ausbildung steht die Approbation, die unter der Voraussetzung, dass ein “Kassensitz” frei ist und erstanden werden kann, eine Niederlassung in eigener Praxis erlaubt.

Psychotherapeuten wurden mit dem Psychotherapeutengesetz 1998 als akademischer Heilberuf anerkannt und ins Gesundheitssystem integriert. Wie aber sollen wir, die werdenden Psychotherapeuten, unserem Auftrag gerecht werden, psychisch Kranke zu heilen, wenn wir selber jenseits jeder Belastungsgrenze arbeiten müssen? Wie soll sich die fachliche Kooperation zwischen Psychotherapeuten und Psychiatern funktionieren und sich entwickeln, wenn wir an den Kliniken
gerade einmal geduldet werden, kaum angeleitet werden und nebenbei die Arbeit des zufällig eingesparten Diplompsychologen erledigen?

Wir haben (endlich) die Nase voll. Wir fordern eine angemessene Vergütung für unsere praktische Tätigkeit.

Vom 5.-9.12. legen wir die Arbeit nieder, nachdem wir uns vergeblich an unsere Arbeitgeber gewendet haben. Am Montag, den 05.12. beginnt unser „wilder“ Streik um 9:30Uhr mit einem Demonstrationszug um das Auguste-Viktoria-Klinikum in der Rubensstraße 125. Am Donnerstag, den 08.12. finden in mehreren deutschen Städten Demonstrationen statt; in Berlin geht es ab 14 Uhr von der Charite Mitte (Luisenstraße) via Reinhardtstraße zum Gesundheitsministerium. Zudem finden an den restlichen Tagen Versammlungen und Aktionen vor dem AVK (06. und 09.12.) und vor der Charite (07.12.) statt. ()