PiAPolitik

PiA-Demos – grüne Aktivität rund um die Ausbildung von PsychotherapeutInnen: E-Mail vom 13.11.2012

An die (im Internet recherchierbaren) PiA-VertreterInnen
CC Psychotherapeutenkammern und -verbände

Sehr geehrte PiA-VertreterInnen,

wir wünschen viel Erfolg bei der morgigen Demo. Uns Grüne haben Sie bei der Forderung nach einer ordentlichen Honorierung der praktischen Tätigkeit von PiA sowie der Forderung eines Masterabschlusses als Zugangsvoraussetzung auf Ihrer Seite.

Wir Grünen können mit Fug und Recht behaupten, dass ohne unser Bohren zu Koalitions- und Oppositionszeiten das Gutachten des Bundesgesundheitsministeriums zur Ausbildungssituation vermutlich nicht vorliegen würde.

In der letzten Wahlperiode forderten wir im Rahmen der Beratungen zum Krankenhausfinanzierungsgesetz (BT-Drs. 16/10807) die Bundesregierung auf, eine Übergangsregung vorzulegen, die eine angemessene Vergütung und Refinanzierung der praktischen Tätigkeit von Psychologischen PsychotherapeutInnen sowie Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen in Ausbildung vorsah. Dieser Antrag wurde von Schwarz-Rot im Gesundheitsausschuss abgelehnt.

In dieser Wahlperiode haben wir eine Kleine Anfrage „Reform der Ausbildung von Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten“ in den Bundestag eingebracht: http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/17/033/1703352.pdf

Dort wurden u.a. die beiden zentralen Forderungen der morgigen PiA-Demos aufgegriffen. Die Antwort der Bundesregierung aus dem Oktober 2010 zu diesen beiden Aspekten kommentierte Biggi Bender, gesundheitspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen damals:

„Seit Langem überfällige Änderungen werden von der Regierung abgelehnt. So ignoriert die Bundesregierung z.B., dass sich die Hochschullandschaft in den letzten Jahren radikal geändert hat und es längst AbsolventInnen neuer Studiengänge und mit Bachelor- oder Masterabschlüssen gibt. Die Klärungen, welche dieser Abschlüsse bundesweit als Zugangsvoraussetzungen zur Ausbildung als PsychotherapeutInnen vorausgesetzt werden, wird abgelehnt, da erst über die künftige Ausbildungsstruktur entschieden werden müsse. Das ist etwa so, wie wenn ein Haus bereits an einer Ecke brennt und die Dorfbevölkerung statt zu löschen darüber debattiert, dass es sinnvoll sei, eine freiwillige Feuerwehr zu gründen, damit dann qualifiziert gelöscht werden kann. Das Gesundheitsministerium drückt sich mit dieser Argumentation vor den von den Bundesländern eingeforderten notwendigen kurzfristigen Entscheidungen. Ein Laufenlassen wird zu einem Flickenteppich länderspezifischer Regelungen führen, die später nur schwer wieder einzufangen sind. Wenn man hier Absicht unterstellt, dann bedeutet dies, dass ein niedrigeres Qualifikationsniveau (Bachelor) bei denjenigen, die Kinder behandeln, das Ziel ist.

Die Antwort auf unsere Frage zur finanziellen Situation der AusbildungsteilnehmerInnen, die auf die BAFöG-Reform verweist, ist keine Lösung des Problems: Nach dem von der Bundesregierung in Auftrag gegebenen Gutachten erhalten nur 1 Prozent der PsychotherapeutInnen in Ausbildung eine BAFöG-Förderung. Eine angemessene Vergütung für den Beitrag, den die in Ausbildung befindlichen PsychotherapeutInnen bei der Versorgung psychisch kranker Menschen leisten, wäre aus grüner Sicht eine sinnvolle Antwort.“

Frau Bender hat die PiA-Demo zum Anlass genommen die folgende schriftliche Frage an die Bundesregierung zu stellen: „Welche Aktivitäten hat die Bundesregierung seit der Beantwortung der Kleinen Anfrage „Reform der Ausbildung von Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten“ (Drs. 17/3352) im Oktober 2010 unternommen, um kurzfristig (Zugangsvoraussetzung Master, Honorierung der praktischen Tätigkeit) und längerfristig notwendige Änderungen der Ausbildung von Psychologinnen und Psychologen voranzutreiben und welche Rolle spielt dabei die Bund-Länder-Arbeitsgruppe (Einsetzung, Besetzung, Auftrag, Zeitrahmen)?“

Sobald wir eine Antwort erhalten, werden wir Ihnen diese weiterleiten.

Mit freundlichen Grüßen

Annette Rausch

Annette Rausch, wiss. Mitarbeiterin
Büro Biggi Bender MdB
Gesundheitspolitische Sprecherin
Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen