Wir sind keine Praktikanten!

Nachdem das letzte PiA-Politik-Treffen nach kontroverser Diskussion beschlossen hat, eine Stellungnahme zum Mindestlohngesetzentwurf zu verfassen, gab es jetzt eine indirekte Reaktion des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Auf die Frage der Abgeordneten Brigitte Pothmer (Grüne): „[…] beabsichtigt die Bundesregierung, Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in Ausbildung vom geplanten gesetzlichen Mindestlohn auszunehmen?“ antworte das Ministerium wie folgt:

„Nach dem Entwurf der Bundesregierung gilt das Mindestlohngesetz für Arbeitnehmerinnen
und Arbeitnehmer. Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in Ausbildung haben daher ab dem 1. Januar 2015 einen Anspruch auf eine Vergütung nach dem Mindestlohngesetz, wenn sie in einem Arbeitsverhältnis beschäftigt werden. Darüber hinaus sieht der Gesetzentwurf vor, dass Praktikantinnen und Praktikanten im Sinne des § 26 Berufsbildungsgesetz als Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Sinne des Mindestlohngesetzes gelten und damit einen Anspruch auf den Mindestlohn haben. Nach § 7 Psychotherapeutengesetz findet allerdings das Berufsbildungsgesetz auf die psychotherapeutische Ausbildung keine Anwendung. lm Übrigen stellt die Gesetzesbegründung klar, dass sog. Berufspraktika nicht vom Mindestlohn erfasst werden.“

Was genau heißt das für uns PiA? Wenn wir einen Arbeitsvertrag haben, dann bekommen wir Geld? Das wussten wir auch schon vorher!

Der Spiegel und andere Medien berichten heute von Frau Nahles, die keine Ausnahmen beim Mindestlohn möchte:

„Ich werde das Modell der ‚Generation Praktikum‘ beenden“, kündigte die Ministerin in der Zeitung an. Wer eine Ausbildung oder ein Studium absolviert hat, werde „nicht mehr monatelang für lau ausgenutzt werden“. (zum Spiegel-Artikel)

Damit stehen sich jetzt eine schwammige und uneindeutige Aussage des Ministerium und eine sehr deutliche Aussage der Ministerin gegenüber.

Liebe Frau Nahles, bekommen wir denn nun mindestens Mindestlohn als Psychotherapeuten in Ausbildung (obwohl uns als Psychologen/Pädagogen eigentlich ein viel höheres Tarifgehalt zu stünde) oder nicht?

Worum es aber vor allem geht: Wir sind keine Praktikanten! Auch wenn viele von uns unter Praktikantenverträgen in Krankenhäusern tätig sind, ist unsere Tätigkeit vergleichbar mit der „praktischen Tätigkeit“ der Ärzte in Weiterbildung (Assistenzärzte). Als Psychologen übernehmen wir in den Kliniken oft testpsychologische Diagnostik, neben therapeutischen Tätigkeiten unter Supervision. Gerade wird im Bundestag und in den Ausschüssen zum Thema Mindestlohn diskutiert! Lasst uns jetzt der Politik zeigen, dass wir Arbeitnehmer sind und mindestens Mindestlohn verdienen!